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Ulysses – der Herausforderer von Scrivener im Test (Update)

Es ist schon eine Weile her, seitdem ich mich intensiver mit Ulysses beschäftigt habe. Als ich die Übersicht von Programmen für Schriftsteller schrieb, lag die App in einer noch recht jungen Version vor. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnete das Programm einige Besonderheiten aus:

  • Unterstützung von Markdown
  • Ein guter Vollbildmodus (unabhängig von OSX)
  • Verschiedene Exportformate für den gleichen Text (HTML, EPUB, RTF)

Allerdings reichte Ulysses noch lange nicht an die Qualitäten von Scrivener heran. Dann brachten die Soulmen eine neue Version heraus, die aus meiner Sicht konzeptionell einen Rückschritt bedeutete. Die Entwickler versuchten, eine Papiermetapher zu finden und zu etablieren. Das gelang aber nur zum Teil. Die plötzlich vorhandene Seitenleiste in der Oberfläche und der damit einhergehende Verzicht von Ordnern ließen mich (wahrscheinlich nicht nur mich) etwas ratlos zurück.

Oberfläche von Ulysses.

Oberfläche von Ulysses.

Doch seit einigen Wochen erledige ich (fast) alle meine Arbeiten mit Ulysses. Deswegen möchte ich Ihnen die aktuelle Version gern ausführlicher vorstellen.

Markdown – ganz einfach

Aufmerksame Leser dieser Seiten ist es nicht entgangen. Seit einigen Jahren ist Markdown aus meinen Arbeitsabläufen nicht mehr wegzudenken. Konzepte, Notizen, Artikel, Blogbeiträge und Manuskripte entstehen im Markdown-Format und liegen als reine Textdateien vor. Erst wenn es an der Zeit ist, den Text zu publizieren, wird aus Markdown das gewünschte Format exportiert.

Ulysses unterstützt Markdown vorbildlich. Das war in den ersten Versionen noch nicht ganz der Fall. Da wurde eher ein eigener, etwas kruder Dialekt genutzt. Dafür hatte der Nutzer aber die Möglichkeit, sich eigene Markups zu definieren und diese in seinen Texten zu nutzen. Inzwischen arbeitet die Software mit reinem Markdown und der Autor kann auf Tastenkürzel zurückgreifen, um etwa Hervorhebungen wie in einer anderen Textverarbeitung zu setzen.

Leider haben die Entwickler vor einigen Stunden ein Update veröffentlicht, das den guten Eindruck in Sachen Markdown wieder trübt. Statt dem Nutzer die Wahl zu lassen, werden Links jetzt plötzlich nur noch „inline“ ermöglicht. Schade. Das ist mehr als ärgerlich, denn inline-Links produzieren einfach einen viel umständlicheren Quellcode. Selbst das Jetpack-Plugin für Markdown kommt mit Referenz-Links gut zurecht.

Eher ein Detail für Markdown-Kenner ist das Setzen von Links. Sie markieren den Text, der als Verweis dienen soll, und drücken die Tastenkombination cmd-L. In einem kleinen Dialog tragen Sie anschließend das Ziel ein. Der Link wird als Referenz ausgeführt. Wenn Sie Ihr Manuskript also als Markdown exportieren, besitzen Sie einen sehr übersichtlichen und eleganten Quelltext.

Setzen von Links in Ulysses

Setzen von Links in Ulysses

Fokussiert am Text arbeiten

Ulysses verfügt meiner Ansicht nach über einen der schönsten Vollbildansichten aller aktuellen Schreibprogramme. Diese Ansicht auf den Text hatte es mir schon bei meinen ersten Begegnungen mit er Software angetan. Da die finale Gestaltung des exportierten Manuskripts ja vom Zielformat abhängig ist, ändern Sie die Schriftgröße einfach mit cmd-+ oder cmd-- nach Ihren Wünschen, ohne Einfluss auf das finale Ergebnis auszuüben. Über Tastenkürzel blenden Sie sich bei Bedarf weitere Bildschirmelemente ein oder aus. Dazu gehört zum einen der Bereich der Dateiverwaltung (dazu gleich etwas mehr), aber auch eine Referenz der Markdown-Befehle. Sie können sich vollständig auf Ihren Text fokussieren. Entweder bildschirmfüllend in der Vollbildansicht oder aber auch im Programmfenster selbst.

Vollbildmodus von Ulysses.

Vollbildmodus von Ulysses.

Statt Ordner – Gruppen

Einer der größten Vorzüge aus meiner Sicht bei der Arbeit mit Scrivener besteht in der Option, seinen Stoff und das Manuskript so fein wie nur denkbar in Form von Ordnern und Dokumenten zu gliedern. In dieser Hinsicht hat Ulysses zumindest teilweise aufgeholt. Generell unterscheidet die Software zwischen zwei Orten, an denen Sie Ihre Dokumente ablegen können:

  • Lokales Verzeichnis
  • iCloud

An einem dieser Orte landen alle Blätter – die Metapher in Ulysses für ein Dokument. Da zahllose gestapelte Blätter eher die Unordnung begünstigen, organisieren Sie auf Wunsch die Blätter mithilfe von Gruppen. Eine solche Gruppe, die Sie mit einem Mausklick in der linken Navigation des Programms anlegen, nimmt dann die Dokumente auf. Durch die Möglichkeit, Blätter zu »verbinden«, kleben Sie einzelne Manuskriptseiten sozusagen zusammen. Eine solche Gruppe kann mit einem Klick exportiert werden. Damit schließt (zumindest teilweise) die Software in Sachen Flexibilität zu Scrivener auf.

ulysses-04

Ziele stecken und Texte organisieren

In der neuesten Version haben die Entwickler dem Programm eine Reihe von interessanten Funktionen spendiert. Für Autoren sicherlich eine sehr schöne Neuerung besteht in der Definition von Zielen. Diese verbinden Sie wahlweise mit einem Dokument oder auch einer Gruppe.

Ziele definieren.

Ziele definieren.

Über »Bearbeiten, Anhang« wählen Sie »Ziel« aus dem Menü aus, nachdem Sie entweder ein Blatt oder eine Gruppe in der linken Navigation markiert haben. Danach tragen Sie ein, ob es sich um einen Mindest- oder Höchstwert handeln soll. Danach definieren Sie das Maß. Sie haben die Wahl zwischen Zeichen, Wörtern, Sätzen, Absätze, Zeilen oder Seiten. Die Darstellung des Fortschritts ist optisch gelungen.

Zusätzlich zur Organisation Ihrer Arbeiten mit den Gruppen weisen Sie optional Ihren Texten auch Schlagwörter (Tags) zu. Dazu klicken Sie einfach mit der rechten Maustaste auf ein Blatt in der List und entscheiden sich für den passenden Befehl aus dem Kontextmenü.

Export des Manuskript

Sie können ein oder mehrere Blätter aus Ulysses exportieren. Markieren Sie die Blätter und führen Sie etwa einen Rechtsklick aus. Aus dem Kontextmenü entscheiden Sie sich für »Schnellexport«. Der nächste Dialog gliedert sich über die Icons am oberen Rand in die vier möglichen Hauptformate für den Export.

  • Markdown / reiner Text
  • binäre Formate (RTF, Word)
  • HTML
  • E-Pub

In jedem Abschnitt haben Sie wiederum die Wahl, den exportierten Text an eine bestimmte Anwendung zu senden (zum Beispiel Markdown-Text an Marked oder einen entsprechenden Editor) oder aber das Ergebnis zu speichern. Die Umsetzung ist dabei stets gut gelungen. Der Export in Markdown-Text ist vorbildlich. Und auch die exportierten Dokumente können sich sehen lassen. Allerdings erlaubt Ulysses etwas weniger Einfluss auf die Formatierungen des exportierten Produkts im Vergleich zu Scrivener.

Export des Textes aus Ulysses.

Export des Textes aus Ulysses.

Muss Scrivener jetzt rüberrutschen?

Sie nutzen Scrivener? Dann kommen Ihnen sicherlich viele der in Ulysses enthaltenen Funktionen bekannt vor. Die Organisation des Manuskripts in kleinere Einheiten, die Kombination zu einem Gesamtwerk und der Export eines Quelltextes in unterschiedliche Endformate – das alles bietet auch Scrivener. Deutlich ausgefeilter sind darin die Gliederungsfunktionen. Die Pinnwand und der Gliederungsmodus erleichtern in Scrivener gerade die Arbeit mit sehr umfangreichen Werken und Manuskript, in denen eine Reihe von Charakteren und Handlungen zusammenfließen. Auch die Funktionen zur Sammlung von Material (PDF-Dateien, Web-Seiten etc.) sind in Scrivener viel tiefer gehend.

Dafür weiß Ulysses durch seine Geschwindigkeit und seine Oberfläche zu gefallen.

Ich persönlich sehe die beiden Programme gar nicht so sehr als Konkurrenten. Scrivener ist ein ausgefeiltes und bewährtes Programm für Autoren, die sich flexible Unterstützung bei der Gliederung und Sammlung von Ideen und Material wünschen. Auch während des Schreibprozesses behalten Sie bei umfangreichen Werken leichter den Überblick über noch offene Punkte und Aufgaben. Ulysses legt seinen Schwerpunkt dagegen eindeutig auf das Schreiben und punktet mit seiner guten Unterstützung von Markdown.

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Die große Übersicht – Software für Schriftsteller, Autoren und Drehbuchschreiber

Auf dieser Seite habe ich für Sie einige Werkzeuge für Autoren und Schriftsteller zusammengestellt. Fehlt Ihnen Ihr Lieblingswerkzeug? Dann hinterlassen Sie doch einen kurzen Kommentar. Ich sehe mir Ihren Tipp dann gern einmal an.

Schreibprogramme für Autoren und Schriftsteller

Mac OS

  • Scrivener zählt sicherlich zu den Klassikern der Programme für den Mac. Die Software unterstützt den Autoren bei der Sammlung von Material, der Entwicklung von Orten und Charakteren und bei der Gliederung. Der Vollbildmodus hilft dem Autoren beim Schreiben ohne Ablenkungen. Die in der Software gespeicherten Texte werden dann kompiliert und in unterschiedlichste Formate ausgegeben. Auch E-Books stehen zur Auswahl. Eine Version für Windows befindet sich im Betastadium. Scrivener eignet sich für Romane und Sachtexte gleichermaßen. Eine ausführliche Besprechung lesen Sie in meinem Projekt Der Lifehacker.
  • Storyist hat mehr Romanschriftsteller und Drehbuchautoren im Fokus. Für Sachtexte oder die Verwaltung von Recherchematerial eignet sich das Programm nur bedingt. Beim Entwickeln von Zeitstrahlen und Handlungsabläufen erhält der Autor aber wichtige Hilfen. Beim Lifehacker habe ich eine Beschreibung zur Software verfasst.
  • StoryMill: Bietet im Prinzip den gleichen Funktionsumfang wie Scrivener. Zwischen welchen dieser beiden Varianten Sie sich entscheiden, ist primär eine Frage des Geschmacks und der persönlichen Vorlieben. Deswegen sollten Sie sich die Demoversionen beider Programme ansehen, um direkt vergleichen zu können. Meine Rezension finden Sie ebenfalls beim Lifehacker.
  • Tinderbox: Das Tool erschlägt bei der ersten Begegnung seinen Anwender. Wie ein Chamäleon bietet die Software derartig viele Facetten, dass man zunächst verwirrt ist. Es bietet sicherlich den geringsten Schreibkomfort, hat aber seine Stärken in der Gliederung, Strukturierung und Vernetzung von Informationen. Komplexe Romanhandlungen oder Drehbücher werden damit gelingen, wenn Sie sich auf das Programm einlassen. Tipps dazu lesen Sie beim Lifehacker.
  • Ulysses: Ist auf den ersten Blick ein einfacher Texteditor. Verwaltung von Ergebnissen der Recherche? Memoboards? Solche Funktionen suchen Sie in dieser Software vergeblich. Dafür bietet das Programm mit der Terminalansicht einen Blick auf den Text, der zur Fokussierung beiträgt. Um die Formatierung Ihres Textes kümmert sich das Programm während des Exports. Sie weisen einzelnen Passagen mit Kürzeln, die Sie definieren, eine Bedeutung zu. Ob daraus eine Überschrift wird, legen Sie über den Exportfilter fest.

Windows

  • CeltX: Die Software eignet sich für alle Drehbuchschreiber oder Konzepter. Der Schwerpunkt liegt im Anlegen und Bearbeiten von Storyboards. Für 5 Dollar pro Monat können Sie auch die Studio-Lizenz erwerben, mit der Sie gemeinsam mit bis zu fünf anderen an den Projekten arbeiten können. Die Software wird kostenfrei angeboten. Deren Funktionsumfang ergänzen Sie mit kostenpflichtigen Add-ons, die dann etwa Statistiken anbieten, mit denen Sie Ihren Fortschritt messen oder im Vollbildmodus arbeiten können.
  • MyNovel: Für Romanautoren oder Essayisten gedacht, erleichtert auch dieses Stück Software die Bearbeitung von Manuskripten und die Verwaltung von Stoffen. Das Programm bietet einen eigenen Editor, Sie können Daten aber auch problemlos exportieren und wieder einlesen, so dass die Arbeit mit der eigenen Textverarbeitung ebenfalls möglich ist.
  • Papyrus Autor: Ist eine Textverarbeitung. Funktionen zur Verwaltung von Projekten oder Charakteren beschränken sich auf ein Minimum. Dafür biete das Programm viele Funktionen an, die Sie so in anderen Schreibprogrammen nicht finden. Eine Stilanalyse hilft, der mehrfachen Verwendung von Begriffen auf die Spur zu kommen. Papyrus gibt Ihnen aber auch Hinweise auf Verbfaulheit. Eine Lesbarkeitsanalyse markiert besonders schwer verständliche Passagen in ihren Texten. Und was auf jeden Fall eine Erwähnung finden muss. In der jeweils aktuellen Programmversion ist auch immer eine aktuelle Version des DUDEN Korrektors enthalten.
  • Writeway: Auch WriteWay wird mit einem eigenen Editor ausgeliefert. Es sind viele sinnvolle Komponenten enthalten und wer sich der Einarbeitung nicht scheut, wird mit einem zuverlässigen Begleiter für Projekte aller Art belohnt.
  • Writing Outliner: Das Programm setzt auf Word für Windows auf und bereichert die Software um Gliederungsfunktionen, Materialsammlung und auch die Ausgabe aller Dokumente in einem übersichtlichen Manuskript. Die Funktionen sind durchaus praktisch gewählt und erleichtern die tägliche Arbeit. Allerdings sind knapp 50 Euro für eine Ergänzung von Word auch nicht gerade ein Schnäppchen. Eine Rezension des Writing Outliners lesen Sie in unserem Schwesterblog.
  • YWriter: Bereits seit einigen Jahren wird der YWriter als kostenloses Programm angeboten. Die Software legt ihren Schwerpunkt auf die Verwaltung von Kapitel und Szenen, aber auch der Stoffsammlung. Angenehm ist auch hier, dass Sie mit einem externen Editor arbeiten können. Sie brauchen sich also nicht umzugewöhnen, sondern arbeiten mit Ihrem gewohnten Programm weiter. Damit es nicht zu Komplikationen kommt, werden die Dateien wie in einer Versionsverwaltung ausgecheckt. Gute Arbeitshilfe zu unschlagbarem Preis.

Linux

Insgesamt sieht das Angebot für Linux nicht besonders gut aus.

  • YWriter kann über Mono gestartet werden. Dabei kommt es aber leider immer mal wieder zu Abstürzen.
  • CeltX funktioniert reibungslos, setzt seinen Fokus allerdings mehr auf Drehbücher und Storyboards.
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