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Texte überarbeiten: Von Scrivener nach Word und zurück

Wie Sie es als Autor auch immer drehen. Es wird Ihnen kaum gelingen, Redaktion oder Lektorat vom Einsatz von Scrivener zu überzeugen. Microsoft Word ist einfach viel zu tief in den Arbeitsabläufen in vielen Unternehmen integriert, um einfach so ausgetauscht werden zu können. Sie müssen also einen Weg finden, wie Sie als Autor mit Scrivener schreiben können, ihr Lektor aber weiter mit Word arbeiten kann.

Überarbeitung in Scrivener vorbereiten

Damit das funktioniert, wählen Sie RTF als Austauschformat. Es kann von Scrivener exportiert werden und wird von allen Word-Versionen eingelesen. Rein technisch funktioniert der Austausch so:

  1. Sie exportieren Ihr Manuskript nach RTF.
  2. Der Lektor bearbeitet die Dateien in Word.
  3. Sie lesen die Dokumente wieder in Scrivener ein.

Dazu nutzen Sie die Option, in Scrivener ein Manuskript mit einem externen Ordner zu synchronisieren. Das erledigen Sie so (derzeit nur in der Mac-Version):

  1. Wählen Sie „Datei, Synchronisierung, mit externem Ordner“.
  2. Im oberen Teil des Dialogs wählen Sie zunächst einen Ordner aus oder legen einen neuen an.
  3. Sie müssen lediglich zusätzlich darauf achten, dass Sie unter „Format“ auch „RTF“ aktiviert haben.
  4. Mit einem Klick auf „Synchronisierung“ Damit werden die externen Daten angelegt.
Legen Sie die Optionen für die Synchronisation mit einem externen Ordner fest.

Legen Sie die Optionen für die Synchronisation mit einem externen Ordner fest.

Dokumente an den Lektor weitergeben

Die RTF-Dokumente können Sie jetzt an den Lektor weitergeben. Oder Sie richten als Synchronisations-Ordner gleich ein Verzeichnis in der Dropbox oder einer ähnlichen externen Quelle ein. Der Bearbeiter öffnet die Dateien dann in Word. Folgende Einschränkungen und Vorgaben sind zu beachten:

  • Die Dateien müssen (ohne weitere Änderungen am Dateiformat) wieder als RTF gespeichert werden. Auch der Dateiname muss gleich bleiben.
  • Änderungswünsche müssen als Kommentare eingefügt werden.
  • Streichungen können über das Formatieren als durchgestrichener Text erfolgen.
  • Die Funktion des „Überarbeitens“ in Word darf nicht genutzt werden.
Der Lektor kommentiert und bearbeitet den Scrivener-Text in Word.

Der Lektor kommentiert und bearbeitet den Scrivener-Text in Word.

Änderungen verfolgen

Nachdem Sie von Ihrem Lektor das Dokument zurück erhalten haben, kopieren Sie die Dateien in den Ordner, den Sie für die Synchronisation vorgesehen haben. Wenn Sie das Projekt in Scrivener starten, zeigt Ihnen die Software an, dass Änderungen gefunden worden sind. Führen Sie also die Synchronisation aus.

Um sich die Kommentare anzusehen, nutzen Sie „Ansicht, Layout, Prüfer einblenden“. Damit blenden Sie sich auf der rechten Seite den Inspektor ein. Klicken Sie dort auf das Icon, das eine Sprechblase zeigt. Dies ist die Übersicht der Kommentare. Die Kommentare sind auch im Text markiert.

Kommentare aus Word werden in Scrivener sichtbar mit dem Inspektor.

Kommentare aus Word werden in Scrivener sichtbar mit dem Inspektor.

Textliche Änderungen finden Sie am besten über den Vergleich der Schnappschüsse. Im Dialog für die Synchronisation finden Sie die Option, dass vor dem Abgleich ein Schnappschuss der Datei angefertigt wird. Damit speichern Sie den aktuellen Zustand des Dokuments.

Erhalten Sie jetzt die Datei zurück, synchronisieren Sie und rufen sich den Inspektor auf (wie gerade beschrieben). Dort wechseln Sie mit einem Klick auf das Icon mit der Kamera zu den Snapshots. In der oberen Liste sehen Sie die gespeicherten Schnappschüsse. Markieren Sie dort den Eintrag, den Sie vor der Weitergabe an den Lektor angelegt haben. Danach drücken Sie auf „Vergleichen“. Innerhalb des Inspektors sehen Sie jetzt den überarbeiteten Text. Neuerungen sind blau markiert, gelöschte Bereiche rot und durchgestrichen.

Im Inspektor in Scrivener sehen Sie auch Textbearbeitungen über die Schnappschüsse.

Im Inspektor in Scrivener sehen Sie auch Textbearbeitungen über die Schnappschüsse.

Snapshot im Editor ansehen

Die Ansicht auf den Schnappschuss ist im Inspektor etwas klein. Teilen Sie den Bildschirm in Scrivener. Halten Sie die Alt-Taste gedrückt, während Sie den Snapshot aus der Liste nun in die Titelleiste eines geteilten Editors ziehen. Jetzt haben Sie mehr Übersicht.

Mit einem kleinen Trick sehen Sie den Vergleich der Snapshots im zweiten Editor in Scrivener.

Mit einem kleinen Trick sehen Sie den Vergleich der Snapshots im zweiten Editor in Scrivener.

Arbeiten Sie auch mit Scrivener? Wie lösen Sie das Überarbeiten mit externen Bearbeitern?

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Ein paar Worte über das Korrigieren und Redigieren

Wichtige Schritte auf dem Weg zum finalen Manuskript sind die Korrekturläufe. Eine Arbeit, die Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Denn das Korrekturlesen ist die letzte Chance, eher peinliche Formulierungen oder falsche Fakten zu entdecken und zu beseitigen.

Dazu ein paar Tipps, wie Sie das Beste aus der Korrektur herausholen.

Beauftragen Sie einen Profi

Wenn Ihnen ein Budget dafür zur Verfügung steht, beauftragen Sie mit dem Lektorat einen Profi. Sein geschultes Auge findet höchstwahrscheinlich bereits im ersten Durchlauf mehr, als es Ihnen möglich war. Und das Lektorat muss nicht einmal teuer sein. Die Webseite Korrekturen genießt einen guten Ruf und bietet einen Rechner an, der Ihnen einen Anhaltspunkt über die anfallenden Kosten bietet.

Fokussieren Sie sich!

Um möglichst alle Fehler und Irrtümer zu finden, müssen Sie sich auf die Aufgabe völlig konzentrieren. Schalten Sie Fernseher oder Radio aus und gehen Sie am besten vollständig offline, um Störungen und Ablenkungen zu minimieren. Gönnen Sie sich auch regelmäßig Pausen. Denn nur dann bleiben Sie bei der Sache.

Achten Sie auf Ihre Schwächen!

Wer regelmäßig schreibt, entwickelt eine Vorliebe für bestimmte Wendungen. Regelrechte Lieblingssätze und Begriffe, die stets und ständig erneut verwendet werden. Achten Sie bei Ihren Korrekturläufen besonders auf solche Formulierungen und schaffen Sie hier Abwechslung durch Alternativen.

Außerdem wissen Sie aus eigener Erfahrung auch, in welchen Themenbereichen Sie häufiger einen Fehler begehen. Ob es nun die Verwendung von „dass oder das“ ist, oder auch der Gebrauch des Kommas in einem Kontext – sehen Sie den Text gezielt nach diesen Problemfällen durch.

Ist der Text konsistent?

Gerade im Sachbereich ist es wichtig, dass Ihr Text konsistent bleibt. Das erleichtert im Zweifel auch die Arbeit eines Zweitkorrektors oder Gutachters. Achten Sie deshalb darauf, wie Sie Aufzählungen einsetzen, wie Sie Zahlen und Fachbegriffe schreiben. Wenn sich ein bestimmter Fehler zu oft eingeschlichen hat, machen Sie sich eine kurze Notiz und verwenden Sie dann die Funktion „Suchen und Ersetzen“ in Ihrem Schreibprogramm.

Lesen Sie nicht am Bildschirm!

Glauben Sie mir, das Korrigieren in der gleichen Umgebung, in der Sie auch den Text schreiben, funktioniert in den meisten Fällen nicht. Es mag zwar wie ein Relikt aus grauen Vorzeiten erscheinen, aber probieren Sie es doch einfach einmal mit dem klassischen Ausdruck auf Papier. Nehmen Sie Ihren Text mit auf den Balkon oder der Terrasse. Oder Sie suchen sich einen schönen Platz in einem Park oder einem anderen öffentlichen Ort. Das hilft Ihnen sicherlich dabei, konzentrierter zu redigieren.

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