Bücher schreiben mit Sublime Text und Markdown

Ein Buch mit einem einfachen Texteditor schreiben? Kann das funktionieren? Die Frage beschäftigte mich schon etwas länger. Warum also nicht einen Selbstversuch wagen?

Manchmal benötigt man einfach einen neuen Hammer, um wieder motiviert an die Arbeit zu gehen. Deshalb habe ich mich für einige Kapitel meines Buches zu Yosemite von meinem Lieblingswerkzeug Scrivener abgewendet und stattdessen SublimeText als Schreibwerkzeug genutzt.

Obwohl und gerade Sublime Text!

Die Antwort auf die Frage, warum gerade einen Texteditor statt einer Textverarbeitung zu benutzen, ist einfach. Ein Texteditor lässt Sie mit Ihrem Werk allein. Sie können nichts formatieren und die meisten Programme sind auch optisch so einfach gestaltet, dass es nichts gibt, was Sie ablenken könnte. Das macht sich auch beim Schreiben bemerkbar. Denn falls Sie zu den Schnell- und Vielschreibern zählen, werden Sie die Erfahrung machen, dass es keine schnellere Form der Texterfassung am Computer gibt.

Die Antwort auf die Frage, warum ich mich gerade für Sublime Text entschieden habe, ist schon etwas schwieriger. SublimeText bietet eine ganze Reihe von Vorteilen, zu denen ich gleich noch im Detail komme. Allerdings mache ich mir auch etwas Sorge um die Zukunft der Software. Die letzte Betaversion der Nachfolgeversion stammt aus dem vergangenen Jahr. Beiträge im Benutzerforum sind teilweise seit einiger Zeit unbeantwortet und der Twitteraccount ebenfalls alles andere als aktuell. Fast scheint es so, als habe der Entwickler seine Arbeit eingestellt und ruhe sich auf dem phänomenalen Erfolg aus, den das Programm erzielen konnte.

Schließlich haben mich aber die von mir geschätzten Vorteile von Sublime Text davon überzeugt, das Experiment mit dem Programm zu wagen.

  • Plattformübergreifend: Sublime Text kann ich unter Windows, Mac und Linux einsetzen. Und zwar ohne funktionale Unterschiede oder Einschränkungen.
  • Erweiterbar: Das Programm ist mittels so genannter Pakete funktional und in Sachen Optik zu erweitern.
  • Vollbildmodus: Sublime Text beherrscht den für mich wichtigen Vollbildmodus, mit dem ich ohne Ablenkung meinen Text verfassen kann.

Damit war zumindest die Frage nach dem Werkzeug entschieden.

Textformat: Markdown

Regelmäßige Leser dieses Blogs werden nicht überrascht davon sein, dass die Frage nach dem Datenformat deutlich schneller entschieden werden konnte. Ich wollte in Markdown schreiben. Und das nicht nur, weil auch der Rest des Projekts in Scrivener als Markdown angelegt wurde.

Markdown bietet mir die größten Freiheiten, meinen Text später auch anderweitig auszugeben. Selbst umfangreiche Kapitel belegen nur wenig Speicherplatz auf der Festplatte. Und Textdateien lassen sich ja nun tatsächlich mit so ziemlich jedem Schreibprogramm auf jeder Plattform bearbeiten und lesen. Da muss ich mir keine Sorgen machen, dass ich eines Tages vielleicht nicht mehr auf meinen Text zugreifen könnte.

Damit ich beim Schreiben eines so umfangreichen Textes den größten Nutzen aus Markdown ziele, und gleichzeitig damit komfortabel arbeiten kann, helfen ein paar Erweiterungen für Sublime Text weiter.

Sublime Text für das Buchschreiben optimieren

Um möglichst einfach und komfortabel schreiben zu können, rüste ich folgende Funktionen nach:

  • Darstellung der Markdown-Syntax
  • Direktes Ansprechen von Pandoc zum Konvertieren des Textes in unterschiedliche Zielformate.
  • Statistik zum Text, also die Zählung von Zeichen und Wörtern
  • Schnellere Übersicht mit einem Inhaltsverzeichnis

Damit Sie die Pakete installieren können, ist die Installation des Pakets „Package Control“ empfehlenswert. Dazu haben ich bereits einmal etwas in dem Artikel Scrivener, Tabellen und Markdown geschrieben. Sobald Sie die Ergänzung installiert haben, richten Sie damit folgende Pakete ein:

Monokai Extended

Brett Terpstra hat eine tolle Erweiterung für Sublime Text geschrieben. Das Paket hört auf den Namen Markdown Editing und gilt vielen Autoren als mustergültige Umsetzung. Das Ergebnis ist am Ende eine Oberfläche, die sich in vielerlei Hinsicht an iAWriter orientiert. Soweit wollte ich indes nicht gehen.

Ich bevorzuge, wenn ich die Markdown-Auszeichnungen einfach nur farbig kodiert sehe. Und genau das bietet Monokai Extended.
Auf dem Mac führen Sie das Kürzel cmd-umschalt-P aus. Mit „Package Controll: Install Package“ blättern Sie durch die angebotenen Pakete bzw. suchen den gewünschten Eintrag. Wenn Sie das Format in Sublime Text dann auf Markdown stellen, erfolg die Kodierung sofort.

Suchen Sie das passende Paket aus.

Suchen Sie das passende Paket aus.

Wordcount

Für jeden Autor ist die Frage, wie viel Text er bereits geschrieben hat, wichtig. Im Sachbuchbereich motiviert die Zahl nicht nur, sondern hilft dabei, nicht den geplanten Rahmen des Werks zu sprengen. Denn hier wird knapp kalkuliert.

Die Erweiterung LaTex Word Count nistet sich direkt als Kommando in der Menüleiste von Sublime Text ein. Mit einem Mausklick oder Tastenkürzel kann ich mir gleich sofort einen Überblick verschaffen, wie weit ich bereits bin.

Das Ergebnis von LaTeX Word Count in Sublime Text

Das Ergebnis von LaTeX Word Count in Sublime Text

Pandoc

Das Paket Pandoc setzt natürlich eine funktionierende Installation dieses Konverters voraus. Die Erweiterung erleichtert die Umwandlung der Texte in jedes von Pandoc unterstützte Format. Möchte ich mir rasch einen Eindruck davon verschaffen, wie der Text als RTF-Datei wirkt, rufe ich mit cmd-Umschalt-P erneut die Eingabezeile auf und gebe dort „Pandoc“ ein. Danach noch das gewünschte Zielformat wählen und die Erweiterung zeigt den neuen Quelltext (z.B. LaTeX) direkt in Sublime Text an oder erzeugt die externe Datei.

Markdown TOC

Ich lege pro Kapitel jeweils eine neue Datei an. Bei Sachbüchern ist es ja keine Seltenheit, dass ein Kapitel sich in eine ganze Reihe von Unterkapitel gliedert. Da ist es trotz der „Minimap“-Ansicht von Sublime Text nicht immer einfach, den Überblick zu behalten, welche Segmente ich nun bereits geschrieben habe. Die Erweiterung Markdown TOC (TOC steht für Table of Content) legt mir einfach an den oberen Rand der Datei automatisch ein Inhaltsverzeichnis an. So sehe ich sofort, ob ich alle Gedanken bereits erfasst habe.

Mit Markdown TOC erkennt man direkt in der Datei die Struktur.

Mit Markdown TOC erkennt man direkt in der Datei die Struktur.

Buchschreiben mit Sublime Text? Das funktioniert!

Dank der Zusammenstellung der verschiedenen Tools habe ich mir mit Sublime Text eine aus meiner Sicht perfekte Umgebung für das Schreiben von Büchern geschaffen. Das Programm ist schnell, ich kann in Markdown schreiben und erleichtere mir dabei die Arbeit. Dank des Markdown-Formats kann ich meine Inhalte zum Beispiel auch ganz einfach an Leanpub senden. Zu meinen Erfahrungen mit Leanpub werde ich später noch einmal etwas schreiben.

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