Vom Manuskript zum Kindle: E-Books mit Sigil und Calibre

Vor einigen Tagen sind meine beiden ersten E-Books für den Kindle bei Amazon live geschaltet worden. Bis es soweit war, habe ich einige verschiedene Wege zum Ziel ausprobiert. Zunächst: Wer lediglich Texte in seinem E-Book veröffentlicht, also auf die Einbindung von Grafiken verzichten kann, ist mit den integrierten Export-Funktionen von Pages oder Papyrus durchaus gut bedient. Die Ergebnisse lassen sich sehen. Dazu aber gleich noch mehr.

Etwas schwieriger wird es, wenn, wie in meinem Falle, zahlreiche Abbildungen im Text platziert werden sollen. Hier musste an der einen oder anderen Stelle immer etwas nachgearbeitet werden. Insbesondere die Nutzung des offiziellen Kindle-Generators hat nicht nicht immer überzeugt. Ein Arbeitsablauf, der sich aus meiner Sicht bewährt hat, besteht aus drei Stufen.

Schreiben des Textes in Scrivener

Meine Texte entstehen auf dem Mac unter Verwendung der Syntax von Markdown. Ich habe mich an dieses Vorgehen inzwischen so gewöhnt, dass ich mir kaum noch vorstellen kann, mit einer manchmal doch etwas zickigen Anwendung wie Word längere Dokumente zu schreiben. Die Version für Windows steht wohl kurz vor der Vollendung, so dass auch die Nutzer dieses Betriebssystems sich von den Vorzügen überzeugen können.

Bilder bearbeite ich soweit, dass diese von den Dimensionen nicht zu groß werden. Zwar kann der Kindle auch eingebundene Grafiken vergrößern, allerdings müssen Sie an die Begrenzung des Displays denken. Dieses gibt ja den maximalen Rahmen vor.

Nachdem das Manuskript soweit fertig ist, kompiliere ich den Text über die integrierte Funktion von Markdown nach HTML direkt aus Scrivener. Damit ergibt sich eine einfache HTML-Datei mit allen Texten und den Referenzen auf die Grafiken . Diese dient mir dann als Ausgangsbasis für den nächsten Schritt.

E-Book Erstellungen in Sigil

Das Programm Sigil ist für Mac, Windows und Linux erhältlich. Es handelt sich um einen sehr einfach aufgebauten Editor, mit dem Sie elektronische Bücher im EPUB Format anlegen können. Sie können Texte in den Editor entweder über die Zwischenablage aus anderen Anwendungen einfügen oder Sie öffnen eine HTML-Datei. Über die Symbolleiste weisen Sie dann die recht rudimentären Formate, die ein E-Book-Reader interpretieren kann, zu.

Sigil: E-Book erstellen mit dem Editor

Sobald Sie das Projekt speichern, liegt auf Ihrem System bereits eine EPUB-Datei vor. Zu jedem Titel gehören einige Informationen, die das Buch näher beschreiben und von den Shopsystemen und Readern ausgewertet werden. Über Tools, Meta Editor holen Sie sich den Editor für diese Informationen auf den Schirm. Neben den minimalen Informationen wie dem Namen des Autoren und des Titels stehen Ihnen über die Schaltflächen weitere Einträge zur Verfügung. Nach dem Klick auf dem Schalter treffen Sie Ihre Auswahl und vergeben anschließend einen Wert für den Eintrag.

Metadaten E-Book mit Sigil ändern

Ebenfalls unter Tools ist auch ein Editor für das Inhaltsverzeichnis (TOC) verfügbar. Hier können Sie sich vergewissern, dass die Hierarchie der Einträge auch korrekt ist. Mit einem Klick auf den kleinen Pfeil unterziehen Sie das Projekt einer Syntax-Prüfung. Am unteren Rand des Bildschirms wirft Ihnen das Programm eventuell aufgetretene Fehler aus. Sie können von dort dann in den Quelltext des Buches springen und das Problem beheben.

Kein E-Book ohne Cover. Damit eine Grafik auch diese Funktion übernehmen kann, muss die Abbildung in der Datei vorhanden sein. In der Projektübersicht am linken Rand klicken Sie mit der rechte Maustaste auf den Eintrag images und rufen dann mit dem Befehl Add existing items eine Grafik von der Festplatte auf. Nachdem die Abbildung Teil des Buches geworden ist, klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und entscheiden sich für den Befehl Add Semantics aus dem Kontextmenü. Dort markieren Sie jetzt, dass es sich um das Cover handelt.

Sie können das Projekt abspeichern.

Mit Calibre für den Kindle vorbereiten

Sie haben jetzt ein vollständiges E-Book im EPUB-Format, das mit allen gängigen Anzeigeprogrammen gelesen werden kann. Es ist ohne DRM ausgestattet, kann also problemlos verteilt und kopiert werden. Es ist allerdings nicht für den Kindle tauglich, der auf das Mobi-Format setzt. Im letzten Schritt wandeln Sie mit Calibre das Buch um.

Starten Sie die Anwendung und klicken Sie auf Bücher hinzufügen. Entscheiden Sie sich für den Eintrag für die Übernahme eines einzelnen Buches und navigieren Sie anschließend zum Speicherort der Datei. Damit nehmen Sie Ihr neues E-Book in die Sammlung auf. Markieren Sie es anschließend in der Sammlung und klicken Sie auf Konvertiere Bücher.

Konvertierung eines Buches in Calibre

Im nachfolgenden Dialog entscheiden Sie sich unter “Ausgabe-Format” für Mobi. Wechseln Sie in das Register Seiteneinrichtung. Unter Ausgabe-Profil entscheiden Sie sich für den Kindle. Mit einem Klick auf OK beginnen Sie dann die Konvertierung.

Kindle Konvertierung Calibre

Jetzt haben Sie eine Datei, die Sie zu Kontrollzwecken entweder auf Ihren Kindle laden oder per Mail senden. Alternativ können Sie auch den Kindle-Previewer von Amazon nutzen. Schließlich laden Sie die Datei bei Amazon hoch, um die Erstellung des E-Books abzuschließen.

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3 Antworten auf Vom Manuskript zum Kindle: E-Books mit Sigil und Calibre

  1. Irene 19. März 2012 at 23:00 #

    > von Markdown nach HTML

    Entsteht dabei besserer Code als bei Open Office nach HTML oder Word nach HTML?

    • Stephan Lamprecht 20. März 2012 at 08:34 #

      Hallo, Irene,

      der Code, den der Markdown-Konverter erzeugt ist exzellent und absolut (x)HTML. Das ist auch einer der Grüne, warum ich damit arbeite.

      Grüße
      Stephan

  2. Irene 20. März 2012 at 20:08 #

    Danke, klingt gut!

    Ich habe jetzt den langen Weg Open Office (.doc) -> Open Office (.html) -> Sigil (.epub) -> Calibre (.mobi) -> Kindle previewer (hurra, alles da) genommen, also so ähnlich wie oben beschrieben, nur mit schlechterem Start. Was das HTML tidy, das bei Sigil eingebaut ist, konkret mit der HTML-Datei gemacht hat, würde mich theoretisch auch mal interessieren. Aber praktisch bin ich froh, dass alles einigermaßen funktioniert, obwohl ich fürs Erste kein Geld ausgeben wollte. Die kommenden Reichtümer sollen aber zum Teil wieder investiert werden :-)

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